GEOID-PATROL
Im Kampf gegen das Geoid


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Geoidpatrol - unterwegs nach Süden  

Tag 1: Wie der Determinator das siebtgrößte Schnitzel Europas sah



Dienstag, 10.6., im Morgengrauen. Eine offenbar verschlüsselte Nachricht erscheint auf dem Nachrichtenticker im Nachrichtenkontrollzentrum und bereitet dem obersten Nachrichtenkommunikator der Geoidpatrol (ein ziemlich hoher Dienstgrad mit Anrecht auf ein eigenes Klotoidensortiment) einiges Kopfzerbrechen. Aus dem Text wird er einfach nicht schlau und so bringt er den Ausdruck zwei Stockwerke tiefer in den Ruheraum 018, in dem der Determinator gerade die letzten 2 Stunden seines 24-stündigen Bereitschaftsdienstes ausübt (wem 24 Stunden Dienst lange vorkommen, dem sei ein Blickl in die "allgemeine Dienstregelzeitvorschrift ’99" empfohlen, die Schichten von bis zu 60 Stunden vorsah. Erst 2002 trat sie außer Kraft und wurde von der "vereinfachten neuen allgemeinen Dienstregelzeitvorschrift ’02" ersetzt.).
"Hm, hört sich recht eindeutig an", murmelt der Determinator und liest das Blatt ein zweites Mal:
«Peoplemover mit Taxikom nach FRAPORT. 80plus und steigend, 2015 wird der Rahmen gesprengt. Näheres unter dem Schnitzel, 4. OG, Codewort Carell. E.»
Lieber Leser! Hört sich das wie eine verschlüsselte Botschaft an? Oder ist es nicht viel mehr eine Aneinanderreihung von Blödsinn? Es ist zu erwarten, dass der Determinator das Blatt zerknüllt, kurz lacht und wieder in tiefen Schlaf fällt, aber sehen wir weiter…
Ohne weiteres Zögern schwingt sich der Determinator auf sein holländisches dienstrad (man mag sich fragen, warum unser Held radelt. Hier sei nur erwähnt, dass es unlängst das traditionelle Sommerfest der Geoidpatrol gab und eine gut bekannte Person dem OHG unter Alkoholeinfluß auf die Frontscheibe seines Privat-PKWs kackte und seit dem das Anrecht auf ein Dienstauto verlor. Abgesehen von dieser Bestrafung musste der Determinator nach diesem Malheur zum Beispiel das Ritual der Rückenhaarentfernung durch eine abgeschnittene Hokifischrückenflosse [nachzulesen z.B. in "Kommentierte Rituale der Geoidpatrol", Geoidverlag Aachen] über sich ergehen lassen.) und macht sich auf den Weg nach Frankfurt, wo er nicht ganz fälschlicherweise den Schlüssel zu diesem neuen Rätsel vermutet.

15:30h. In der Kantine des Frankfurter Flughafens muß der Determinator einsehen, dass er zu spät ist. Unter einem kalten Schnitzel - ohne Zweifel das siebtgrößte Europas - findet er einen kleinen Schlüssel, aber nicht wie erhofft die Lösung des Rätsels (die, wie man wissen sollte, traditionell in einer kleinen Messingplatte eingraviert ist).
Viele Türen probiert unser Held aus, bis der Schlüssel passt und einen kleinen, grüngekleideten Roboter mit niederländischem Akzent aus einer düsteren Kammer befreit. Dieser spunkt ohne gefragt zu werden einen neuen Hinweis aus und explodiert unmittelbar danach. Zum Glück kann der Determinator alles behalten und schreibt die Nachricht auf:
«Der Weg nach Barcelona führt über München, Wendlabus benutzen, Türen schließen automatisch.»
Automatisch schließende Türen? Da muß er sich beeilen und rennt eine große rote Krawatte um, hinter der sich ein End-30er in Anzug versteckt. "’Tschuldigung, ich muß nach München…" presst der Determinator zwischen seinen Zähnen heraus und rennt direkt weiter.
"München? Dabei ist dieser Flughafen viel größer! Wir haben einen Bronnstein'schen Halbkreis und die nicht einmal ein Doppel-H! Denn…"
Mehr bekommt der Determinator nicht mit, denn er schmeißt sich durch einen kleinen, verbleibenden Spalt der automatisch schließenden Tür des Wendlabusses, welcher augenblicklich ohne Fahrer und andere Gäste losfährt.
Was ist das nun wieder? Wollen wir einen kleinen Moment verschnaufen und über die letzten Ereignisse nachdenken? Wer noch nie von einem Wendlabus gehört hat, ist in bester Gesellschaft, wie es scheint. Gehen dem Autor die Ideen aus, so dass er nun kleine, braune, batteriebetriebene Affen an die Tastatur setzt und denen die überraschenden Wendungen in der Handlung überlässt? Urteilen wir nicht zu früh und schauen, ob diese Geschichte noch in nachvollziehbare Bahnen gerät.
Nur damit eins klar ist: Ein neuerliches "oh, wir haben alles nur geträumt" ist dieses Mal nicht akzeptabel!


Tag 2: Die Rendite auf Gleis 346



«Willkommen im Wendlabus. Bitte schnallen Sie sich an, wir wünschen eine angenehme Fahrt. Willkommen im Wendlabus. Bitte…» Seit mehreren Stunden läuft nun schon diese Ansage.
"Das hält doch keiner aus!" Wütend greift der Determinator nach einem kleinen Polygonzug (der seit einem scheußlichen Zwischenfall eines Hilfsnivellierers mit einem ferngesteuerten Wackelpudding in keiner Grundausstattung für den Geoidpatroler im Außendienst mehr fehlen darf) und schlägt wild vor Wut auf die Kommunikationsbox ein. Mit zweifelhaftem Erfolg…
«Sie haben noch keine Dollarzeichen in den Augen? Denken sie doch bitte an die Rendite. Vererben Sie Ihre Kinder! Sie haben noch keine Dollarzeichen…» Eine neue Endlosschleife beginnt und auch mit größten Kraftanstrengungen lässt sich die quäkende Stimme nicht abschalten.
Einige Zeit später und dem Wahnsinn nah (bei der nächsten Vorstandssitzung der Geoidpatrol wird der Determinator Ohrenstöpsel für alle Außendienstler beantragen) wird eine zweite Falle des Wendlabusses offensichtlich. Nicht nur das Tonband befindet sich in einer Endlosschleife, sondern auch der Bus! Bereits zum dritten Mal befährt er die Autobahnschleife rund um München.
Die Lage scheint aussichtslos: Weder Lenkrad noch Pedale gehören zur Ausstattung des Wendlabusses!
Doch wieder einmal kommt der Polygonzug zum Einsatz. Der Determinator kurbelt das vordere linke Fenster herunter und steckt den Polygonzug in die Speichen des Vorderrades - nicht ganz ungefährlich, aber was will er anderes unternehmen (ok, so manchem Leser wird nicht entgangen sein, dass der Determinator einfach warten könnte, bis das Benzin ausgegangen ist. Diesen Lesern kann ich nur entgegnen, dass sie anscheinend nicht einmal ansatzweise über den Wendlabus bescheid wissen. Diese Busse fahren nämlich nicht mit Benzin, sondern "ernähren" sich über den Reifenabrieb auf der Straße, den sie mittels Solarenergie [nachts reicht auch der Mond und ein paar Sterne] in Antriebsenergie umsetzen. Also bitte keine weiteren Bemerkungen zum Ausgehen des Benzins!)…
Jetzt geht es aber los! Ein Bus ohne Fahrer - nun gut, eine ganz nette Idee - aber jetzt fährt der sogar ohne Benzin! Das sieht für mich nicht sehr glaubhaft aus. Vielmehr scheint es so, dass sich der Autor selbst bei einem Fehler ertappt hat und diesen nun mit diesem Hirngespinst von Reifenabrieb und Solarenergie zu kaschieren versucht. Und dann noch dem Leser Ignoranz vorwerfen - das ist wirklich unterste Schublade! Ich bin kurz davor, diese Geschichte abzubrechen!
Die Wirkung dieser Aktion ist jedenfalls hervorragend. Der Bus macht einen kleinen Satz, kommt von der Autobahn ab und rast unkontrolliert einen Abhang hinunter und durchbricht ein paar Hecken. Schließlich kommt er mitten im Rangierbahnhof München zu stehen, wo auch prompt die Türen aufgehen und ein sichtlich erleichterter Determinator herausstürmen kann.
«Vielen Dank für Ihre Reise mit dem Wendlabus! Bitte beehren sie uns bald wieder…» Doch bevor diese neuerliche Endlosschleife auch nur einmal durchläuft, explodiert der Wendlabus undeine gigantische Wasserfontaine steigt auf (ja Wasser! Kein Feuer, Qualm oder ähnliches. Wer nicht völlig ignorant ist, hat inzwischen in der Fachliteratur nach dem Wendlabus geguckt und weiß, dass dieses Phänomen völlig normal ist.
Falsch! Wer nicht völlig ignorant ist, hat inzwischen bemerkt, dass es einen solchen Bus nicht gibt und schreibt nicht auch noch darüber! Aber an dieser Stelle sei der Autor einmal in Schutz genommen, denn immerhin bewahrt er uns vor dem kompletten letzten Tonbandtext, in dem der Bus zu guter letzt auch noch sein absolutes literarisches Untalent zeigt und anfängt zu dichten. Nur der Vollständigkeit halber will ich hier den Text aufführen, warne aber ausdrücklich vor dem Lesen!
«Vielen Dank für Ihre Reise mit dem Wendlabus! Bitte beehren sie uns bald wieder. Das Wendlabusteam verabschiedet sich hiermit und wünscht Ihnen noch einen angenehmen Tag!

Auf Wiederseh'n, kommen Sie gut Heim
Die Zeit war schön, so sollt' es sein
Im Wendlabus hat Groß und Klein
Hat jeder Spaß, so sollt' es sein

Beim nächsten Mal versprechen wir
Geht's weiter, weiter hier
Mit frohem Mut und ohne Eile
Mit guter Stimmung, ohne Langeweile

Für Ihr Vertrauen danke schön
Hoffentlich werd'n wir uns wiederseh'n!»

Der Determinator freilich hat kein Auge für dieses Schauspiel. Er ist ganz fixiert auf den Ablaufberg, wo sich gerade ein riesiges rotgepunktetes Kaninchen befindet, dass auf einer Draisine Schwung holt und über Gleis 346 gleitet und schließlich am Horizont verschwindet. Ohne Zweifel ist das E, der Supermümmler, der Hüter des Rätsels lösung und wenn den Determinator nicht alles täuscht, konnte er um den Hals des Kaninchens baumelnd eine Messingplakette erspähen. Unweigerlich fühlt er sich seinem Ziel einiges Näher. Schnell springt er auf eine Rangierlok und brüllt "Mach mir den Taurus!" wie er es einmal in einem Film über Eisenbahnenthusiasten gesehen hat, doch nichts bewegt sich und so muß er die Verfolgung zu Fuß antreten.
Wird er Erfolg haben? Vermisst er seinen Polygonzug, der aufs falsche Gleis umgeleitet wurde? Und was entdeckt er auf dem Gipfel des Wendelsteins? All das in Kürze!
Wird es jemanden interessieren? Wird die traurige Gestalt, die sich selbst Autor der Geoidpatrol nennt, noch mehr geistigen Durchfall erzeugen? Und was stellt er sich eigentlich unter einem Polygonzug vor?!? Vielleicht verrät er uns in Kürze auch dies einmal…

hinauf